Nicht nur Banken, sondern auch Telekommunikationsunternehmen und Versandhändler, verwenden Scoring-Verfahren, um die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden abschätzen zu können.


Der Score ist ein Punktwert, der einer bestimmten Bonität zugeordnet ist. Er gibt eine Gruppenwahrscheinlichkeit wieder, die das Rückzahlungsrisiko widerspiegelt. Personen werden anhand ihrer statistischen Merkmale einer bestimmten Gruppe zugeordnet. Für jede Gruppe wird dann das Risiko eines Zahlungsausfalls errechnet.

"Menschen werden beim Scoring in Schubladen gesteckt, ohne dass die Verbraucher erfahren, wie und warum sie dort gelandet sind", kritisiert Edda Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband, die derzeit verwendeten Scoring-Modelle. Denn während sich die Banken selbst dazu verpflichtet haben, Firmenkunden ihr Rating offen zu legen, werden Privatkunden noch im Dunkeln gelassen.

 

Das Geschäft mit dem Score


Der wohl bekannteste Scoring-Anbieter in Deutschland ist die Schufa. Das Unternehmen verfügt über 384 Millionen Einzeldaten zu 63 Millionen Personen. 4500 Vertragspartner stellen der Schufa ihre Informationen zur Verfügung und rufen Daten aus der Schufa-Datenbank ab.

Die Schufa liefert fertige Scores für sieben Branchen und so genannte integrierte Scores, also das Rohmaterial, das Banken benötigen, um ihren eigenen Score zu ermitteln. In der Schufa-Auskunft wird gespeichert, wie viele Girokonten, Kreditkarten und Handyverträge ein Kunde hat. Gegen den Betrag von 7,60 Euro können Verbraucher bei der Schufa auch eine Eigenauskunft starten. Dieser Service, der laut Schufa kostendeckend angeboten wird, wird von den Kunden gerne angenommen. 2005 hat die Zahl der Eigenauskünfte im Vergleich zum Vorjahr um mehr als acht Prozent auf 1.069.000 zugenommen. 93 Prozent aller Schufa-Abfragen sind übrigens positiv.

Wovon das Unternehmen mit seinen rund 700 Mitarbeitern lebt, sind hingegen die Daten, die an die Vertragspartner geliefert werden. 2005 hat die Schufa fast 74 Mio. Euro umgesetzt. Das Betriebsergebnis lag bei fast 3 Mio. Euro.

Ein bunter Strauß an Daten

Die Verfahren unterscheiden sich hinsichtlich der Kriterien, die zur Bestimmung des Scores herangezogen werden. In manchen Berechnungsmethoden finden bis zu 40 Kriterien Berücksichtigung. Das unanhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein hat in einer Studie verschiedenste Scoring-Kriterien unter die Lupe genommen.

Generell gelten als K.O.-Kriterien:

* das verfügbare Einkommen ist geringer als für den Kapitaldienst notwendig
* Arbeitslosigkeit oder "ohne eigenes Einkommen"
* Andauernde Überziehung des Girokontos
* Mahnungen bei Vorkrediten oder Kreditkündigungen
* Zwangsvollstreckung
* Kreditlaufzeit länger als Aufenthaltserlaubnis
* Sonstige negative Schufa- oder Auskunftei-Auskunft

Neben harten Fakten zum Vermögenstand, zu Sicherheiten, der Haushaltsrechnung, bestehenden Krediten und Konten können in die Bonitätsbewertung auch zahlreiche so genannte weiche Faktoren einfließen. Informationen über die Lebensverhältnisse sollen Rückschlüsse auf die finanzielle Situation und damit auf die Ausfallwahrscheinlichkeit liefern.

 

Adresse und Wohndauer

Die Wohnadresse ist ein klassisches Bonitäts- und Scoring-Merkmal, das auf dem Grundgedanken "gleich und gleich gesellt sich gern" beruht. So ist rein statistisch gesehen das Ausfallsrisiko in Dessau höher als etwa in München. Auch innerhalb einer Stadt spricht eine Residenz in einem feinen Villenviertel für ein geringeres Risiko als eine bahnhofsnahe Adresse.

Auch aus der Wohndauer wollen die Statistiker relevante Informationen ablesen. Häufige Umzüge können einerseits ein Indiz für eine schlechte Zahlungsmoral sein, wenn sich der Betroffene dadurch davonstehlen möchte. Andererseits kann die Wohndauer auch ein Zeichen berufsbedingter Mobilität und damit von beruflichem Erfolg sein.

Geschlecht und Alter

Frauen erhalten für die gleiche Arbeit in vielen Fällen immer noch ein geringeres Einkommen als Männer. Durch die Möglichkeit von Schwangerschaft und nötiger Kindererziehung können Einkommensausfälle entstehen. Das Geschlecht wird auch als Indiz für Zuverlässigkeit verwendet. Frauen gelten als zuverlässiger als Männer.

Bei der Nutzung des Merkmals Alter wird teilweise davon ausgegangen, dass mit zunehmendem Alter die Risikobereitschaft des Kreditnehmers sinkt. Ältere Kreditnehmer verfügen häufig über ein höheres Einkommen. Ein sehr hohes Alter kann jedoch darauf hinweisen, dass der Zeitpunkt der vollständigen Rückzahlung des Kredits nicht mehr erlebt wird. Ein Alter zwischen 18 und 30 mag als Hinweis auf eine noch stattfindende oder noch nicht vollständige Ausbildung und damit auf eine geringe Erwerbstätigkeit gewertet werden.

Familienstand und Kinder

Verheirateten wird eine geringere Risikobereitschaft unterstellt als Ledigen. Statistisch belegbar führen Verheiratete ihre Kredite am häufigsten zurück.

Getrennt lebende oder geschiedene Personen werden statistisch eher mit Ledigen verglichen. Bei Geschiedenen wird allerdings noch eine Wahrscheinlichkeit für finanzielle Belastungen angenommen, die durch die Trennung verursacht wurden. Negativ bewertet werden mehrere Scheidungen. Hinter dem Familienstand stehen oft Umstände, die für die Vermögens- und Einkommensverhältnisse bestimmend wirken können wie etwa Unterhaltspflichten, eine Mitgesellschafterfunktion des Partners oder eine Bürgschaft.

Über die Kinderzahl können Rückzüge darüber geschlossen werden, wie hoch der Einkommensanteil ist, der für die Kreditrückzahlung zur Verfügung steht. Dieser nimmt statistisch gesehen mit steigender Kinderzahl ab. Andererseits wird angenommen, dass mit der Übernahme von Verantwortung für andere Personen häufig auch ein höheres Risikobewusstsein verbunden ist. Bei Alleinerziehenden können Kinder hingegen auf ein erhöhtes Armutsrisiko hindeuten.

Ausbildung und Beruf

Je besser die berufliche Ausbildung und Qualifikation einer Person für ihre ausgeübte Tätigkeit ist, desto sicherer wird im Allgemeinen der Arbeitsplatz angesehen und desto besser werden die Chancen auf einen neuen Arbeitsplatz eingeschätzt.

Mit zunehmender Beschäftigungsdauer nimmt die Sicherheit des Arbeitplatzes üblicherweise zu, weswegen eine lange Beschäftigungsdauer als Indikator für Dauerhaftigkeit und Zuverlässigkeit gilt. Berufserfahrung wird als bonitätsförderndes Qualifikationsmerkmal gewertet. Teilweise wird eine kurze Beschäftigungsdauer als K.O.-Kriterium verwendet (z.B. mindestens 3 oder 12 Monate).

Risikoberufe wie Taxi- und Frachtfahrer, Taucher, Stuntman, Fallschirmspringer können unter Umständen negativ bewertet werden. Hoch im Kurs stehen Ärzte, Rechtsanwälte und leitende Angestellte. Auch der Arbeitgeber kann das Rating des Kreditnehmers beeinflussen. Als Risikobranchen gelten etwa das Hotel- und Gastronomiegewerbe, aber auch die IT- und die Tourismusbranche. Von der wirtschaftlichen Situation des Arbeitgebers hängen nämlich die Arbeitsplatzsicherheit und damit das regelmäßige Einkommen ab.

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Quelle: FTD

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